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- Meine Reise zum Ich

Dämonen in Religionen

Reich der Dämonen

Dämonen in den Religionen

Dämonologie in Ethnischen Religionen

 

In nahezu allen ethnischen Religionen kommen Dämonen vor (in der Fachliteratur auch als Polydämonismus bezeichnet). Hier stehen sie für den Glauben an eine Vielzahl unberechenbarer, launischer und unheimlicher Mächte im Sinne personifizierter Naturgewalten oder Krankheiten. Im Zusammenhang mit dem Glauben der sogenannten „Naturvölker“ werden die Bezeichnungen „Dämonen“ und „Geister“ häufig synonym benutzt. So handelt es sich ebenso um schutzgewährende Totem- oder Hausgeister, verbündete Tiergeister oder harmlose Naturgeister. Bei den Dämonen steht der Aspekt der konkreten Gestalt gegenüber dem Spirituellen im Vordergrund. Die negative Konnotation ist vor allem eine Folge der christlichen Mission, die die Dämonen mit dem Teufel gleichsetzte. Vor der Einwirkung des Christentums waren es verschiedene unkörperliche, selbstbewusste Wesen mit teilweise übermenschlichen Kräften und Fähigkeiten, die die gesamte Natur bevölkerten. Sie galten entweder als immateriell, jedoch zumeist als gebunden an Objekte oder Lebewesen und standen in der religiösen Hierarchie unter den Göttern. Abgesehen von den Geistern verstorbener Menschen werden Geister und Dämonen als unverwandt mit den Menschen, jedoch mit menschlichen Eigenschaften beschrieben. Die Vielfalt der mythologischen Vorstellungen macht es häufig schwierig, Dämonen und Geister klar von der Beseeltheit der Naturerscheinungen (Animismus) zu trennen.

Dämonologie in Abrahamitischen Religionen

 

Judentum

Die Schedim stellen eine Klasse von Dämonen im jüdischen Glauben dar. Gemäß dem Midrasch stellen sie ein Bindeglied zwischen dem körperlosen Reich der Engel und der Welt der Menschen dar. So würden sie Zeit und Raum transzendieren, können daher plötzlich erscheinen und verschwinden und kennen die Zukunft. Gleichzeitig haben sie körperliche Bedürfnisse und können den Menschen in Gestalt erscheinen. Der hebräische Ausdruck für Dämonen (Schedim) ist ein Lehnwort aus dem Akkadischen (schedu) und bezeichnet dort eine freundliche, gute, beschützende Macht (Geist). Er erscheint nur zweimal im Tanach (stets im Plural), jedes Mal für falsche Götter, Götzen, „Nicht-Götter“ im Kontext verbotener Kinds- und Tieropfer. Aus Ps 106,37 EU geht hervor, dass ihnen im heidnischen, nichtjüdischen Kult Menschenopfer dargebracht wurden. Im zweiten Lied des Mose (Dtn 32 EU) segnet Mose sein Volk Israel und eröffnet ihm eine Zukunftsvision. Dann wird ihm geboten, auf den Berg Nebo zu steigen und sich auf seinen Tod vorzubereiten. In Dtn 32,17 EU beklagt Mose Avoda sara (hebräisch עבודה זרה fremder Dienst), das heißt Götzendienst, unter den Kindern Israels. Das Lied führt die Klage, dass die Bundestreue des Volkes Israel zu Gott im Kontakt mit den heidnischen Völkern Kanaans verblasst war und dass heidnischer Kult Geister anbetet, denen die notwendige Macht fehlt und die deshalb des Götzendienstes durch Israel unwürdig sind. Während Dämonen im Tanach eine untergeordnete Rolle spielen, kommt ihnen eine vergleichsweise bedeutende Rolle im babylonischen Talmud zu. Mit den Dämonen geht dabei keinesfalls eine ausschließlich negative Konnotation einher. Anders als in der christlichen Dämonologie werden sie mit keiner Teufelsfigur assoziiert. Die Dämonen teilen viele Eigenschaften mit den Menschen, wie die Sterblichkeit, und können mit ihnen sogar erotische Beziehungen eingehen. Auch wenn es unter den Dämonen Fromme und Gläubige gibt, die die Menschen zum Einhalten der Gebote ermahnen, gelten sie in den meisten Fällen den Menschen moralisch unterlegen. Neben den Schedim, tauchen zudem noch Asasel, die Nephilim, Liliths und Se’irim im jüdischen Dämonenglauben auf.

 

Dibbuk, „irrende Seelen“, die keine Ruhe finden, können nach dem Tode in Lebende fahren. Es handelt sich hierbei um jüdische Mystik und Aggada, jüdische Erzählung, Sagen, die Maimonides in diesem Zusammenhang vermied, wie auch auf die Rede von Himmel, Hölle und die ins Unendliche reichende körperliche Auferstehung. Er betont die Unmöglichkeit menschlichen Denkvermögens, über sich hinauszugehen und Unsägliches zu sagen, und das abstrakte Weiterleben der Persönlichkeit.

Christliche Dämonologie

Zunächst lebten zu Beginn des Christentums in der Vorstellung einiger Menschen auch die alten heidnischen Götter als Dämonen noch lange fort. Der frühchristliche Apologet Justin der Märtyrer beschrieb die heidnischen Götter als bloße Dämonen, die die Menschen durch Schreckensbilder dazu bewegten, sie anzubeten. Nach Justin hätte bereits der Philosoph Sokrates das Wesen der Dämonen erkannt und von der Verehrung dieser abgeraten, woraufhin sie von ihren Anhängern seinen Tod verlangten. Aus demselben Grund würden die Christen verfolgt werden. Das frühe Christentum unterschied noch weitgehend zwischen den gefallenen Engeln und Dämonen. Letztere wären die Seelen der bei der Sintflut verstorbenen Nephilim, die aus einer geschlechtlichen Verbindung zwischen Engeln und Menschen hervorgegangen sind. Ausnahmen bildeten christliche Asketen wie Origen, da sie es ablehnten Engel könnten körperliche Formen annehmen.  Spätestens im Laufe des dritten Jahrhunderts setzten die Christen Dämonen mit Teufeln gleich.

 

In den Schriften des Aristoteles wird die Existenz von Dämonen verneint. Die Grundlagen der christlichen Dämonologie wurden von Augustinus entwickelt, der, beeinflusst vom dualistischen Manichäismus, die Lehre von den zwei Reichen begründete, nämlich die civitas Dei (Gottesreich) und die civitas Diaboli (Teufelsreich). Nach der Lehre des Augustinus seien die Dämonen gefallene Engel. Er zweifelte nicht an deren Realität und ihrem wirksamen Eingreifen in den Lauf der Dinge, allerdings nur soweit Gott es zuließ. Allerdings gab es schon sehr früh einzelne Bischöfe und Synodalbeschlüsse, die den mit Hilfe der Dämonen ausgeführten wahrsagerischen Handlungen jeglichen Wirklichkeitsgehalt absprachen. Im Jahr 820 veröffentlichte der Erzbischof von Lyon Agobard (um 769–840) seinen Liber contra insulsam vulgi opinionem de grandine et tonitruis, wo er den Glauben an die Möglichkeiten der Wettermacher (tempestarii oder immissores tempestatum) als illusorisch verwarf. Das Konzil von Tours (813) lehrte, dass magische Künste und Beschwörungen weder kranken Menschen noch Tieren helfen könnten. Es handele sich vielmehr um Täuschungen der Dämonen. Dieser Text wurde dann auch in das Decretum Gratiani übernommen, wobei allerdings Augustinus fälschlich als Verfasser genannt wurde. Die das Decretum Gratiani kommentierenden Dekretisten nahmen teilweise an, dass mit Hilfe von Dämonen die Erzeugung einer Impotenz, impotentia ex maleficio, möglich sei. Gratian ging davon aus, dass die Dämonen hauptsächlich bei der Wahrsagerei aktiv seien. In diesen Zusammenhang übernahm er einen langen Text zu diesem Thema aus dem Buch De divinatione daemonum des Augustinus.

 

Dieser Text des Augustinus im Decretum Gratiani befasst sich auch mit der Natur der Dämonen. Sie hätten einen feinstofflichen, luftigen Körper, eine Vorstellung, die von der griechischen Vorstellung übernommen wurde, der ihnen eine schärfere Sinneswahrnehmung als die des Menschen ermögliche. Auf Grund ihrer dauerhaften Existenz hätten sie auch eine bei weitem größere Lebenserfahrung. Auf Grund dieser beiden Eigenschaften könnten sie Zukünftiges voraussagen. Dazu deuteten sie wie ein Arzt natürliche Zeichen (später wurde auch die Wettervorhersage des Landwirts herangezogen), insbesondere den Menschen unbekannte Luftschichten, die sie im Hinblick auf die Zukunft interpretierten. Auch könnten sie für den Menschen nicht erkennbare Zeichen der inneren Gemütsverfassung wahrnehmen und nutzen.

 

Sie könnten auch Krankheiten in ihren luftigen Körper aufnehmen und die Menschen mit dieser krankmachenden Luft infizieren. Sie hätten mit imaginären Erscheinungen auch Zugang zur Gedankenwelt der Menschen.Die Dekretisten folgten im Wesentlichen diesen Vorstellungen. In der kommentierenden anonymen Summa Tractaturus Magister Gratianus de iure canonico wird noch hinzugefügt, dass die Dämonen nach ihrem Sündenfall – anders als die Engel mit ihren feinstofflichen Körpern – auch eines der niederen Elemente in sich aufgenommen hätten, so dass sie im Gegensatz zu Engeln auch leiden könnten. Die französischen Glossenapparate Ecce vicit leo und Animal est substantia vertreten, dass Dämonen nur dann einen Körper annehmen könnten, wenn ihnen Gott das erlaube. Auch sie als körperlose Wesen könnten leiden, allerdings anders als körperliche Wesen.

 

In ihren Kommentierungen setzten sie sich insbesondere mit der Konkurrenz der Vorhersage der Dämonen mit der Allwissenheit Gottes einerseits und der Willensfreiheit des Menschen andererseits auseinander. Danach sind die Dämonen auf Interpretationen ihrer Beobachtungen angewiesen. Aber die Möglichkeit, die Gedanken der Menschen unmittelbar lesen zu können, wurde abgelehnt. Dies sei allein Gott vorbehalten.

 

Die Glaubensgemeinschaft der Christadelphians lehnt sowohl die Vorstellung eines übernatürlichen Satans als auch den Glauben an die Existenz von Dämonen als böse Wesen und Geister als unbiblisch ab und lehrt stattdessen, mit der Bezeichnung „Dämonen“ würden in der Bibel körperliche, häufig aber auch geistige und seelische Krankheiten bezeichnet.

Dämonen im Islam

 

Die islamisch geprägte Kultur kennt eine Vielzahl dämonischer Wesen, die das Leben des Menschen angeblich beeinflussen. Gemeinhin werden die verschiedenen Dämonen unter dem Ausdruck Dschinn zusammengefasst. Die Dschinn stellen zudem aber auch eine eigene Kategorie von Dämonen dar, die wiederum von den koranischen Dschinn, bei denen es sich um eine Art Mittelwesen, die parallel zu den Menschen lebt, handelt, zu unterscheiden sind. Die dämonischen Dschinn können Menschen Schaden zufügen und sie in Schrecken versetzen und ähneln in dieser Hinsicht den teuflischen Satanen, die aber wiederum eine eigene Klasse von Dämonen darstellen. Im vom Islam beeinflussten Osten Europas bis hin zur Türkei lässt sich zudem ein dämonisches Wesen unter der Bezeichnung In feststellen, welches sich weitgehend in seinen Eigenschaften mit den Dschinn deckt und meistens mit diesen gemeinsam erwähnt wird. Der Samum ist ein weiterer Dämon, eine Personifizierung des heißen Wüstenwindes. Der Ifrit ist ein mächtiger Dämon der Unterwelt und wird auch mit rachsüchtigen Totengeistern identifiziert. Neben einer Vielzahl gefährlicher Dämonen gebe es auch wohlwollende Dämonen, wie die Pari (Feen), und wohlgesinnte Dschinnen, die Zauberer bei Ritualen und Exorzismen unterstützen können und vor bösen Dämonen schützen.

 

Die Vorstellung, dass einige Dschinn sich zu Gott bekennen geht auf den Koran selbst zurück. Der in Sure 72 als Dschinn-Predigt bekannten Erzählung nach hat Muhammed den Dschinn den Koran vorgetragen, woraufhin einige zum Islam konvertierten. Auch Salomon hat nach koranischer Auffassung wohlwollende Dschinnen zur Hilfe gehabt und seine Rolle als Dämonenbändiger verblieb noch lange in der islamischen Volksreligiosität.

 

Die negative Konnotation der christlich geprägten Dämonenvorstellung wird der islamischen, bei der es sich bei den Dämonen um moralisch ambivalente Wesen handelt, laut Tobias Nünlist nicht gerecht. Bei ausschließlich bösartigen Dämonen sprechen islamische Autoren explizit von Satanen. Neben den Satanen werden noch die Diwen als immerzu teuflische Dämonen genannt und tauchen häufig als Gegner von Helden und Heiligen auf.

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