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Magie und Wissenschaft

Magie und Wissenschaft

Wissenschaftliche Ansätze bis in die 1960er Jahre

Bis in die 1960er Jahre wurde die religionsethnologische Forschung in Bezug auf den Magie-Begriff durch eine evolutionistische und ethnozentrische Sichtweise geprägt, in der die jüdisch-christliche Religion als idealtypisch angesehen wurde. In dieser Sichtweise wurde Magie mit Religion und Wissenschaft kontrastiert.

 

In den Sozialwissenschaften kann man bis in die 1960er Jahre zwei Traditionen in Bezug auf die Beurteilung von Magie erkennen. In Form eines Evolutionismus wird Magie angesehen als eine entwicklungsgeschichtlich frühe und irreführende Vorstufe der Wissenschaft. In der zweiten Tradition des Beurteilens der Magie wird sie als unmoralisch und antisozial angesehen. Übergangen wird dabei die Analyse des Lebens jener Völker, die Magie als wichtig ansehen, Magie wird abschätzig mit bedeutenden Institutionen der westlichen Kultur wie Religion und Wissenschaft verglichen. Diese westlichen Annahmen von theoretischen Dichotomien wie Magie/Wissenschaft und Magie/Religion entsprechen jedoch nicht den realen Umständen und Wirklichkeiten des Lebens von Völkern, die nicht der westlichen Kultur angehören.

 

In der Anthropologie wurde im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert die Auffassung vertreten, Magie sei von Religion und Wissenschaft unterscheidbar und abzugrenzen. Vertreten wurde eine evolutionistische Sichtweise, nach der Magie, Religion und Wissenschaft sich linear entwickeln, in einem linearen Fortschritt des menschlichen Geistes und der kosmologischen Vorstellungen. Edward B. Tylor sah darin die Magie als niedrigste Kulturstufe. Frazer deutete die Magie als Vorstufe zu Religion und Wissenschaft, betrachtete jedoch die der Magie zugrunde liegenden Prinzipien als wissenschaftlich, während er in deren Repräsentanten, den Priestern und Magiern, Gegenspieler sah. Er führte die Unterscheidung zwischen der auf dem Gesetz der Ähnlichkeit beruhenden „Sympathie-Magie“ und der „Kontakt-Magie“ ein, die von der Vorstellung ausgeht, dass zwischen Dingen oder Personen die in räumliche Verbindung kamen, ein geheimer Zusammenhang fortbesteht.

 

Marcel Mauss und Henri Hubert erläutern Magie unter sozialen Aspekten und nehmen sie als soziales Phänomen wahr, das eine Technik darstellt, die in Bezug zu modernen Wissenschaften und Technik Ähnlichkeiten in ihren praktischen Zielen aufweist. Mauss hat das Konzept des Mana aus dem polynesischen Kulturraum verallgemeinert und sieht darin eine mystische Kraft, die in allen Kulturen Parallelen hat. Er nimmt an, diese Kraft sei einst ein universaler Glaube gewesen, dessen Ausdrucksformen Magie, das Spirituelle und das Heilige seien.

 

Claude Lévi-Strauss kritisierte 50 Jahre später Mauss’ Theorien, da dieser, von einem kulturell spezifischen Konzept ausgehend, in Bezug auf dieses spezifische Konzept Magie definiere und dann aus diesen Annahmen und Ideen ein universales Konzept von Magie ableite. Nach Levi-Strauss verwendet Mauss die polynesische Idee von Mana, um generelle Glaubensformen an Magie nachzuweisen, so dass daraus folgend jede Form von Magie auf diese spezifische Idee des polynesischen Mana reduziert werde.

 

Émile Durkheim postulierte wie Mauss, Magie sei zur Religion antithetisch. Magie sei individualistisch und wenig relevant in Bezug auf strukturelle und moralische Zwecke von Gesellschaften und deren Verständnis. Nach Durkheim ist Magie nicht evolutionistisch als Vorstufe von Religion und Wissenschaft aufzufassen, sondern stelle das sich Aneignen sozialer Methoden der Religion durch ein Individuum dar. Diese würden dann privat vorwiegend zur Heilung und Divination angewandt.

 

Bronislaw Malinowski hat in der melanesischen Kultur, die er intensiv untersuchte, detaillierte Studien auch zur Magie vorgelegt. Für Malinowski ist die Magie nicht sozial, sondern individuell. Magie und Religion beziehen sich nach Malinowski beide auf den Wunsch nach Kontrolle über die Natur und Sicherheit. Ebenso beziehen sich beide auf das Heilige, Mythen und Tabus. Magie jedoch sei als praktisch und als mit spezifischen Zielen ausgestattet zu verstehen, während Religion einen Selbstzweck darstelle. Magie könne als gut oder böse erscheinen, Religion vertrete und beziehe sich auf kulturelle Werte des Moralischen. Nach Malinowski ist Magie zu verstehen als komplementär zum praktischen und technischen Wissen, so dass sie keine ‚primitive Wissenschaft‘ darstelle oder in der Vermischung des Übernatürlichen und Natürlichen eine Verirrung sei. Vielmehr stelle sie sich im sozialen Kontext als Ergänzung zu Bereichen des alltäglichen Wissens und Handelns wie Landwirtschaft oder Fischen dar, in denen sie zusätzlich eingesetzt wird. Malinowski schließt daraus, dass die Verwendung von Magie einem rationalen Ansatz entspringt.

 

Kritiker werfen Malinowski vor, er insistiere darauf, Magie sei überall gleich und er generalisiere Beobachtungen an spezifischen Kulturen.

 

Einen sehr praktischen Ansatz verfolgen James R. Price und Paul Jureidini 1964 in ihrem Report: Witchcraft, Sorcery, Magic, and other Psychological Phenomena and their Implications on Military and Paramilitary Operations in the Congo. in dem sie die Effekte von Glauben an Magie und ihre psychologischen Auswirkungen auf militärische Operationen betrachten.

 

Neuere wissenschaftliche Konzepte von Magie

Anthropologen wie Victor Turner, Clifford Geertz und Marshall Sahlins stellen das westliche Paradigma von Magie-Religion-Wissenschaft in Frage und unterzogen die Magie verschiedener Kulturen einer differenzierteren und sensibleren Betrachtungsweise.

 

Ethnographische Studien kommen zu folgenden Annahmen: Magie besteht aus dem Versuch einer unmittelbaren menschlichen Manipulation der Kräfte der Natur. Mindestens fünf Prinzipien liegen diesem Versuch zugrunde: Naturkräfte, eine mystische Kraft, interkonnektive Beziehungen innerhalb des Universums, die Verwendung von Symbolen und die Prinzipien der sympathetischen Magie Frazers. Es gebe sechs magisch-religiöse Praktiken: Schwarze und weiße Magie, Schutzmagie, Divination, Tabus, Segnen und Verfluchen.

 

Anthropologische Studien zu Symbolik und Kognition zeigen auf, dass Magie und Religion viele Schnittmengen besitzen, Magie religiöse Konzepte enthält und sich magische und religiöse Praktiken in vielen Bereichen ähneln. Häufig stellen sich Magie und Religion als komplementär dar und sind miteinander verflochten. Übernatürliche Kräfte spielen in beiden eine Rolle. Die Vorstellung von einer übernatürlichen oder mystischen allen Dingen zugrundeliegenden Kraft, namentlich dem Mana, ist in verschiedenen Kulturen anzutreffen.

 

Neue magische Konzepte gehen davon aus, dass alle Dinge und Ereignisse in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Universum miteinander in Verbindung stehen. Ab den 1960er Jahren wurden Sinn und Zweck von magischen und religiösen Symbolen, Objekten und Amuletten in verschiedenen Kulturen häufig untersucht.

 

In frühen, evolutionistischen Deutungen wurde Magie als primitiv und atavistisch angesehen. Als in allen Kulturen und historischen Epochen vorkommend ist sie jedoch fester Bestandteil unserer Kultur. Magie bezieht sich auf Fragestellungen, die in der Wissenschaft nicht gestellt und beantwortet werden. Magie ist wissenschaftlich nicht rational erklärbar.

 

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